Globale Themen

UK: „Es ist noch nicht vorbei“

USD

EUR USD (1,1730)

Es ist schon interessant, dass der Euro gestern einen Großteil seiner Handelsgewinne von Freitag bis Montag wieder abgeben musste. Bemerkenswert sind dabei vor allen Dingen die Begründungen für den gestrigen, vorübergehenden Kursrückgang. Die Risikofreude sei zurückgekehrt und deswegen der Dollar gefragt, hieß es. Soweit, so gut. Allerdings galt das gleiche Argument auch tags zuvor, als sich der Euro kurzfristig immerhin bis 1,1790 befestigt hatte. Andere Händler verwiesen wiederum darauf, dass die ZEW-Umfrage für Deutschland und die Eurozone doch richtig enttäuscht hätte. Dies entspricht tatsächlich den Tatsachen, aber der Euro gab auf diese Neuigkeit bestenfalls 10 Stellen nach. Vielleicht sollte man sich bei der Suche nach Ursachen gar nicht so sehr auf die Eurozone konzentrieren. So konnte man beispielsweise einem Artikel bei Bloomberg entnehmen, dass die Sorge bestehe, dass angesichts des Handelskrieges und seiner drohenden Eskalation mit einer steigenden Inflation zu rechnen sei. Dieses Argument ist durchaus stichhaltig, wenn man bedenkt, dass während der Jahre der Globalisierung durch die damit verbundenen Kostensenkungen der Unternehmen Inflation immer weniger ein Thema gewesen war. Dieser Prozess würde sich natürlich im gerade begonnenen Zeitalter des Protektionismus und der Abschottung genau umkehren. Denn die Trump‘schen Importzölle würden zu Preiserhöhungen bestimmter Güter – mit steigender Tendenz – führen und so am Ende die US-Notenbank zwingen, ihre Zinsen schneller als bislang gedacht zu erhöhen. Nur im besten Fall führen die Drohungen des US-Präsidenten dazu, dass die von den Importzöllen betroffenen Länder und die USA einlenken und alle Seiten gänzlich auf derartige Zölle auf die jeweiligen Güter verzichten würden. Tatsächlich gibt es Stimmen aus der Trump-Administration, die betonen, dass die neuen Importzölle nicht dafür gedacht seien, neue Handelsbarrieren zu errichten, sondern diese gerade ausgeräumt werden sollten. Allerdings sind diese Gedanken derzeit eher für die mittelfristige Einschätzung von Wechselkursen von Interesse und haben gestern sicherlich nicht das kurzfristige Geschäft beeinflusst.
Die USA fahren unterdessen eine harte Linie und scheinen es mit den Strafzöllen auf weitere Importe aus China ernst zu meinen. So legte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer gestern Nacht eine Liste mit Waren im Wert von 200 Milliarden USD für mögliche Zölle vor, die allerdings nicht vor September in Kraft treten dürften.
Am Ende kann man im Rahmen der vorherrschenden Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855 davon ausgehen, dass sehr viele Entwicklungen beim Euro eher zufallsbedingt sind als das Resultat irgendwelcher fundamentalen Betrachtungen oder Wirtschaftsdaten. Immerhin würde der Euro innerhalb der Konsolidierung stabil bleiben, solange 1,1625 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8845)

Theresa May wird zurzeit wohl kein Misstrauensvotum fürchten müssen – allerdings quittierten gestern Abend zwei Tory-Abgeordnete ihren Dienst als stellvertretende Parteivorsitzende. Überdies will der politische Herausgeber der "Sun" von parteiinternen Quellen erfahren haben, dass weitere Rücktritte folgen sollen, sofern die Übereinkunft der Regierung vom vergangenen Freitag in Chequers nicht noch einmal überarbeitet werde. Tatsächlich soll sich die britische Regierung nach Angaben eines Sprechers mit der Gesetzesvorlage für die Zeit nach dem Brexit eingehend beschäftigt haben, so dass das "White Paper" Medienberichten zufolge bereits am Donnerstag veröffentlicht werden kann. Auch habe man sich, so der Regierungssprecher, verstärkt mit den Vorbereitungen für den Fall auseinandergesetzt, dass es – entweder mangels Mehrheit im Unterhaus oder einem wahrscheinlichen Widerspruch aus Reihen der EU – zu einem sogenannten "no-deal scenario" komme. Unterdessen soll die britische Labour-Opposition für ein zweites Referendum offen sein, falls keine Übereinkunft für die Zeit nach dem Brexit zustande kommt. Außerdem gab es gestern noch zahlreiche Wirtschaftsdaten, von denen das monatliche Bruttoinlandsprodukt – ein neuer Indikator – im Mai gegenüber dem Vormonat wie erwartet um 0,3 Prozent gestiegen war. Unterdessen liegt die neueste vorläufige NIESR-Wachstumsprognose für das zweite Quartal bei +0,4 und für das dritte Quartal sogar bei +0,5 Prozent. Am Ende konnte sich das Pfund recht gut behaupten, weswegen der Euro im Rahmen seines schwachen, kurzfristigen Aufwärtstrends mit Potenzial bis 0,8950/55, das erhalten bleibt, solange 0,8770 nicht unterlaufen wird, wieder etwas zurückfiel.

EUR

EUR CHF (1,1655)

Auch gestern ist es dem Euro nicht gelungen, die Obergrenze seiner Konsolidierung nachhaltig zu überschreiten. Stattdessen gab es einen kleinen Rücksetzer, ohne dass dafür fundamentale Gründe ausgemacht werden konnten. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Gemeinschaftswährung die Obergrenze ihrer Konsolidierung zwischen 1,1475 und 1,1655/60 (modifiziert) überwindet. Danach dürfte immerhin ein Aufwärtstrend in Richtung 1,1800 möglich werden.

PLN

EUR PLN (4,3200)

Nachdem der Euro gestern denkbar knapp die Unterkante seines Aufwärtstrends unterschritten hat, gab es zunächst eine Gegenbewegung, die sich allerdings bis zum Handelsschluss nicht halten konnte. Damit bleibt die Unterseite für weitere Angriffe in Richtung 4,2600 gefährdet. Eine erste Stabilisierung der Gemeinschaftswährung im Rahmen einer größer angelegten Seitwärtsbewegung ist immer noch erst jenseits von 4,3575 möglich.

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