Globale Themen

Italien bleibt im Hinterkopf

USD

EUR USD (1,1800)

Eigentlich hätte man sich gestern erstaunt die Augen reiben müssen, als die mögliche neue Koalition von Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei in Italien ihre Forderung nach einem Schuldenerlass durch die EZB angeblich plötzlich fallen ließ. Im Koalitionsvertragsentwurf vom Mittwoch hatte die Abschreibung von 250 Milliarden Euro Schulden noch gestanden, was für erhebliche Unruhe gesorgt hatte. Aber dann war sie Medienberichten zufolge plötzlich nicht länger Bestandteil des Vertrages. Interessanterweise zeigte sich der Euro von dieser Wendung völlig unbeeindruckt. Gut möglich, dass die Investoren auch den jüngsten Informationen, wonach im Koalitionsprogramm überhaupt keine Aussage mehr zur Euro-Mitgliedschaft Italiens gemacht werden soll, keinen Glauben schenken wollten. Denn im Hinterkopf bleiben die großen Wahlversprechen, die die neue Koalition in ihrem Programm festschreiben dürfte. Alleine die Einführung einer Einheitssteuer für Personen und Unternehmen, eine sogenannte Flat Tax von 15 Prozent, würde zunächst nach Schätzung von Roberto Perotti, dem früheren Ökonomen und Berater von Ex-Premierminister Matteo Renzi, mehr als 70 Milliarden Euro kosten. Dagegen nimmt sich die Revision der Pensionsreform mit 15 Milliarden Euro an zusätzlichen Ausgaben fast schon günstig aus, während das bedingungslose Grundeinkommen die Staatskasse mit knapp 30 Milliarden Euro belasten würde. Ganz zu schweigen davon, dass die Akteure die Euro-kritische Einstellung der neuen Koalition trotz des Fehlens im Programm sicherlich nicht vergessen werden.
Aber der Euro hat noch andere Belastungen über sich ergehen zu lassen. Die Rede ist von möglichen Schieflagen der Händler. So hatte sich laut dem jüngsten CFTC-Bericht zu den spekulativen Positionierungen an der Futures-Börse in Chicago an den Euro-Long-Positionen in Höhe von rund 120.000 Kontrakten zum 8. Mai trotz des bis dahin bereits sichtbaren Einbruchs des Eurokurses fast nichts geändert. Man darf gespannt sein, ob sich bei der Publizierung des morgigen Reports diese Schieflagen, die sicherlich nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt sind, aber zumindest dessen Stimmung widerspiegeln, verringert haben. Ähnlich optimistisch hatten sich übrigens globale Fondsmanager gemäß der jüngsten Umfrage von BofA Merrill Lynch per 10. Mai gezeigt, denn sie ergab eine Übergewichtung von Euro-Investments gegenüber vielen anderen Anlageklassen. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich der Euro derzeit nicht aus seinem Abwärtstrend befreien kann, dessen Risiko sich unterhalb von 1,1730 in Richtung 1,1635/40 vergrößern würde. Um indes das Abwärtsmomentum zu verringern, müsste 1,1900/05 überwunden werden – eine Stabilisierung ist erst jenseits von 1,2030/35 denkbar.

GBP

EUR GBP (0,8740)

Pfund-Händler mussten gestern genau hinhören. Ursache war ein Bericht des Daily Telegraph, dass Theresa May Großbritannien auch nach dem Ende der Brexit-Übergangsvereinbarung bis 2021 in einer Zollunion mit der EU halten wolle. In einer Kabinettssitzung seien die Befürworter eines Brexit überstimmt worden, hieß es. In der Folge stieg Sterling gegenüber dem Euro immerhin auf das höchste Niveau seit fast drei Wochen. Allerdings wurde der Artikel des Telegraph bereits am gestrigen Vormittag von Theresa May dementiert. Die Premierministerin betonte, dass das Vereinigte Königreich die Zollunion verlassen werde. Unterdessen wurde nach Presseberichten aus Downing Street außerdem bekannt, dass die Verhandlungen über die irische Grenzproblematik für diesen Fall noch in vollem Gange seien. Und so musste das Pfund seinen positiven Impuls umgehend abbrechen. Der Euro verbleibt damit in seiner jüngst eingeschlagenen Seitwärtsentwicklung zwischen 0,8620 und 0,8845.

EUR

EUR CHF (1,1810)

Die gestern deutlich gewordene Risikoaversion der Akteure wegen der drohenden italienischen Schuldensituation hat sich nicht verändert. Zumindest legte der Euro keinerlei Erholungsbestrebungen an den Tag. Somit wird immer deutlicher, dass wohl mit 1,1770 (möglicherweise auch 1,1735) die potenzielle Untergrenze einer neuen Konsolidierungszone entstehen dürfte. Die Obergrenze dieses Feldes liegt bei 1,1980.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Ein Artikel in der Financial Times beschäftigte sich gestern mit der Schwächephase des Zloty, der vor allen Dingen gegenüber dem Dollar auf Sicht von einem Monat 8 Prozent an Wert verloren hat, beschleunigt durch die gleichzeitige Verkaufswelle von Emerging-Markets-Währungen. Dass sich Investoren – nicht nur wegen der Justizreform und einer Euro-skeptischen Gesetzgebung – Sorgen um den Zloty machen, rührt auch von den niedrigen Leitzinsen her, die sich mit 1,5 Prozent auf einem Rekordtief befinden und sich nach dem Willen des Chefs der Nationalbank von Polen, Adam Glapiński, auch möglicherweise über 2019 hinaus auf diesem Niveau bewegen werden. Gegenüber dem Euro hat Zloty während des gleichen Zeitraums lediglich 3,5 Prozent an Wert verloren und gestern erneut nachgegeben. Allerdings hat sich unser Szenario nicht geändert. Solange die Gemeinschaftswährung oberhalb von 4,2350 bleibt, kann sich der Aufwärtstrend jenseits von 4,3000 auch noch in Richtung 4,3300 fortsetzen.

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