Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Die Gesamtinflation ist in Japan im März zurückgegangen (0,2% gegenüber 0,3%), was die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung des expansiven geldpolitischen Kurses der japanischen Zentralbank (BoJ) erhöht. Der Yen verzeichnet mit 0,1% einen leichten Rückgang.
  • EUR/USD ist um 0,1% gestiegen, obwohl das Wachstum in Frankreich im 1. Quartal 2017 hinter den Erwartungen zurückblieb (0,3% Q/Q gegenüber erwarteten 0,4%); der Anstieg der Inflation in der Eurozone und die enttäuschenden BIP-Zahlen aus den USA könnten dem Währungspaar leichten Rückenwind verliehen haben.
  • EUR/GBP notiert vor der Veröffentlichung der 1. Schätzung der BIP-Zahlen des 1. Quartals stabil.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Vereinigtes Königreich (01:05 Uhr) – GfK-Verbrauchervertrauensindex (Mai) – Konsensprognose -7 gegenüber -6 im Vormonat

Japan (01:30 Uhr) – Kerninflation J/J (März) – Konsensprognose 0,3% gegenüber 0,2% im Vormonat

Frankreich (07:30 Uhr) – 1. Schätzung BIP Q/Q (1. Quartal) – Konsensprognose 0,4% gegenüber 0,4% im vorherigen Quartal

Schweiz (10:00 Uhr) – Stellungnahme von SNB-Chef Thomas Jordan

Vereinigtes Königreich (10:30 Uhr) – 1. Schätzung BIP Q/Q (1. Quartal) – Konsensprognose 0,4% gegenüber 0,7% im vorherigen Quartal

Eurozone (11:00 Uhr) – 1. Schätzung der Gesamtinflation J/J (April) – Konsensprognose 1,8% gegenüber 1,5% im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – 1. Schätzung BIP Q/Q (1. Quartal) – Konsensprognose 1,2% gegenüber 2,1% im vorherigen Quartal

USA (16:00 Uhr) – Michigan-Verbrauchervertrauensindex (endgültige Zahlen April) – Konsensprognose 98,0 gegenüber 98,0 bei der vorherigen Schätzung

USA (20:30 Uhr) – Stellungnahme von P. Harker (Fed in Philadelphia), 2017 stimmberechtigtes Mitglied des US-Offenmarktausschusses (FOMC)

Schwerpunkte am Vortag

Draghi zieht schrittweises Vorgehen vor; schwedische Zentralbank verlängert geldpolitische Lockerungen; Merkel verschärft gegenüber dem Vereinigten Königreich den Ton; Welle enttäuschender Konjunkturdaten aus den USA

EZB: Man war gespannt darauf zu erfahren, ob die EZB den optimistischen Signalen folgen würde, die aus Europa allgemein und dem europäischen Börsenhandel insbesondere kommen, seit der erste Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen angeschlossen ist, doch die EZB scheint sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Zwar räumte Mario Draghi ein, die Wirtschaft der Eurozone entwickle sich positiv und die Risikofaktoren (die aktuell übrigens eher von Außen als von Innen kommen) seien auf dem Rückzug, doch sähe sich die EZB aufgrund der wiederholten niedrigen Inflationsraten im Wirtschaftsraum gezwungen, Vorsicht walten zu lassen und den aktuellen geldpolitischen Kurs weiter beizubehalten. Selbst wenn dies zu erwarten war, da diese Sitzung zwischen den beiden wichtigen Wahldurchgängen in Frankreich stattfand und es auch Hinweise darauf in aktuellen Medienberichten gab, war dieser moderate Ton Draghis dennoch für eine Gruppe optimistischer Anleger enttäuschend, denn sie hatten sich von der Sitzung erste Zeichen auf eine möglich bevorstehende Drosselung der gegenwärtigen expansiven Geldpolitik versprochen.

Gestrige Performance EUR/USD: -0,28%; Tiefstkurs: 1,0850 USD (niedrigster Kurs der Woche); Schlusskurs: 1,0872 USD

Merkel/Brexit: Vor dem am Wochenende anstehenden EU-Gipfel hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Ton gegenüber dem Vereinigten Königreich ein wenig verschärft, indem sie davon ausging, dass keine Vorzugsbehandlung erfolgen würde, sondern vielmehr die Interessen Europas im Vordergrund stünden. Wer von etwas anderem ausginge, mache sich Illusionen, führte Angela Merkel weiter aus.

Das Pfund konnte gestern dennoch gegenüber dem Euro deutlich zulegen, da die Anleger die potenzielle Härte der Europäer bei den bevorstehenden Verhandlungen möglicherweise unterschätzen und es vorziehen, ihre Aufmerksamkeit vornehmlich auf die im Juni bevorstehenden Parlamentswahlen zu richten, bei denen die Konservativen möglicherweise eine deutliche Mehrheit im Parlament bekommen könnte.

Gestrige Performance EUR/GBP: -0,70%; Tiefstkurs: 0,8413 GBP (niedrigster Kurs der Woche); Schlusskurs: 0,8424 GBP

Riskbank: Die Entscheidung der schwedischen Zentralbank, ihr Programm zum Aufkauf von Vermögenswerten bis in die zweite Jahreshälfte mit 15,0 Mrd. SEK über die nächsten sechs Monate zu verlängern, hat die Marktteilenehmer überrascht. Aufgrund des offensichtlich positiven Gesundheitszustand der schwedischen Wirtschaft hatte man damit nicht gerechnet. Laut der Risksbank bedürfe es noch einer gewissen Zeit, bevor sich die Inflation auf dem gewünschten Niveau von 2% stabilisieren kann. Aus diesem Grund entschied man sich für die geldpolitische Stützung der Wirtschaft.

Gestrige Performance EUR/SEK: +0,53% - Höchstkurs 9,6526 SEK (höchster Kurs der Woche); Schlusskurs: 9,6048 SEK 

Etats Unis: Gestern erschienen in den USA eine ganze Reihe enttäuschender Konjunkturdaten (Auftragseingänge langlebiger Güter, Handelsbilanz der Warenwirtschaft etc.). Am stärksten fiel in den letzten zwei Wochen die Anzahl der Neuanträge auf staatliche Arbeitslosenunterstützung aus dem Rahmen, denn diese ergab den stärksten Anstieg der vergangenen fünf Monate. Gleichzeitig meldete die Fed in Atlanta einen Rückgang des Geschäftstätigkeitsindexes in Echtzeit. Laut diesem Modell ist zu erwartet, dass das Wachstum im 1. Quartal 2017 lediglich 0,2% Q/Q betragen wird (gegenüber 0,5% in der vorherigen Schätzung). Diese Zahl scheint zu bestätigen, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr gewisse Anlaufschwierigkeiten gehabt haben könnte. Einzelheiten über diese mögliche Abkühlung könnten möglicherweise folgen, wenn heute Nachmittag die 1. Schätzung der BIP-Zahlen des 1. Quartals erscheint.

Themen Heute

Donald Trump schließt einen Konflikt mit Nordkorea erneut nicht aus; Lähmung der US-Behörden vermieden; erwarteter Anstieg der Inflationsrate der Eurozone; erste BIP-Schätzungen aus dem Vereinigten Königreich und den USA

Donald Trump/Nordkorea: Der US-Präsident räumte ein, dass ein bewaffneter Konflikt „sehr wahrscheinlich ist“, sollte man Nordkorea nicht auf diplomatischem Weg (derzeit bevorzugt) davon überzeugen können, sein Waffenentwicklungsprogramm und vor allem die Tests mit Atomwaffen zu stoppen.

US-Haushalt: Der US-Kongress hat bis heute um Mitternacht Zeit, den neuen Haushalt zu verabschieden, der bis Ende September Ausgaben in Höhe von 1 Bio. USD vorsieht (Geschäftsjahr in den USA), wenn vermieden werden soll, dass die Regierungsbehörden und die Verwaltung vorübergehend die Arbeit niederlegen müssen. Es zeichnet sich jedoch eine Lösung ab. Die US-Abgeordneten könnten heute auch für eine Fristverlängerung um eine Woche stimmen, um so ausreichend Zeit zu haben, eine Lösung zu verhandeln. Donald Trump hat in zwei zentralen Punkten bereits nachgegeben: Im Haushalt werden keine Kosten für den Bau einer Mauer entlang der mexikanischen Grenze eingeschlossen sein und er berücksichtigt die Finanzierung eines Teils der Obamacare.

Eurozone: Gegen Mittag erwartet man die 1. Schätzung der Inflationsrate der Eurozone für April. Die befragten Wirtschaftsexperten gehen, wie auch Mario Draghi gestern, davon aus, dass das Wachstum des Verbraucherpreisindexes in diesem Zeitraum gestiegen ist. Die Medianprognose liegt bei 1,8% (Jahresbasis) gegenüber 1,5% im März. Die gestern veröffentlichte deutsche Inflationsrate übertraf die Erwartungen (2,0% gegenüber 1,9%), was auch auf eine mögliche Überraschung hinweisen könnte. 

BIP (USA und Vereinigtes Königreich): Um 10:30 Uhr erscheint heute die 1. Schätzung des britischen BIP des 1. Quartals 2017. Dabei wird sich zeigen, ob die britische Wirtschaft nach wie vor immun gegenüber den mit dem Brexit verbundenen Gefahren ist. Die befragten Experten gehen davon aus, dass das Wachstum zwar unter dem der vorherigen Quartale liegen wird, aber dennoch recht solide ausfallen dürfte: Konsensprognose: 0,4% Q/Q gegenüber 0,7% im 4. Quartal 2016). Die Marktteilnehmer könnten diese Ziffer jedoch als Hinweis auf eine in den nächsten Monaten anstehende Abkühlung werten.

Was die USA angeht, so weisen die jüngsten Aussagen und Prognosen darauf hin, dass sich im 1. Quartal 2017 möglicherweise eine Abkühlung der US-Wirtschaft eingestellt hat. Die 1. Schätzung des BIP erscheint heute um 14:30 Uhr: Konsensprognose 1,2% Q/Q gegenüber 2,1% im 4. Quartal 2016). Einige Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass es bei einer wiederholten Schwäche dieser Ziffer zu Beginn des Jahres häufig zu einer späteren Aufwärtskorrektur kommt. Wie dem auch sei: In Erwartung präziserer Daten bezüglich des Zustands der US-Wirtschaft könnte ein moderates Wachstum von unter 1,5% heute Nachmittag dazu führen, dass eine eventuelle US-Leitzinserhöhung vor Ende Juni noch unwahrscheinlicher wird.

CHF:

Da man erwartet hatte, dass Mario Draghis Ausführungen doch weniger gemäßigt ausfallen würden, als dies letztendlich der Fall war, hatte auch der Kurs des Währungspaars EUR/CHF am Donnerstag eine Wende verzeichnete und einen Verlust von 0,2% verbucht. Die Verluste hielten sich aber oberhalb der Schwelle von 1,08 CHF, da es sich dabei eher um einen Ausdruck der Enttäuschung handelte als um einen wirklichen Abwärtstrend. Die guten europäischen Fundamentaldaten und das Nachlassen der Unsicherheitsfaktoren stellen weiter eine schrittweise Stärkung des Euro in Aussicht. Der pro-europäische Kandidat Emmanuel Macron scheint seinen Vorsprung gegenüber seiner Rivalin auch etwa eine Woche vor der Stichwahl nach wie vor halten zu können, sodass hier wohl kaum noch mit einer Überraschung zu rechnen sein dürfte. EUR/CHF könnte vor dem langen Wochenende ggf. noch Gewinne verbuchen, vor allem wenn die Inflationsdaten der Eurozone solide ausfallen sollten.

EUR:

Die gemäßigten Aussagen Draghis während der gestrigen Pressekonferenz dämpften die Hoffnung der Optimisten (einer Minderheit), die auf eine frühere Anpassung der verbalen Ausrichtung der EZB gehofft hatten. Zwar wies der Zentralbankchef auf die wirtschaftlichen Fortschritte und die Verringerung der Risikofaktoren hin, doch konzentrierte er sich bei seinen Ausführungen verstärkt auf den moderaten Inflationsdruck, um die Marktteilnehmer nicht auf eine falsche Fährte zu setzen. Allerdings ist das Thema damit sicherlich nur auf Juni verschoben. Die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten  untermauerten Hinweise auf eine Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds in der Eurozone: der Vertrauensindex der Eurozone stieg im April auf ein 10-Jahreshoch und auch die Gesamtinflation ist in Deutschland im April wieder auf 2% gestiegen. Was die Stichwahl um die französische Präsidentschaft angeht, scheint die Kluft zwischen den beiden Kandidaten in dieser Woche mehr oder weniger gleich zu bleiben. Das Kräfteverhältnis liegt bei 60:40 zugunsten des europhilen Kandidaten Emmanuel Macron.

Einen wichtigen Indikator sollte man heute im Auge behalten: die Inflation der Eurozone (siehe auch Schwerpunkte des Tages). Hingewiesen sei auch darauf, dass die 1. Schätzung des französischen BIP heute Morgen mit 0,3% Q/Q für das 1. Quartal 2017 gegenüber erwarteten 0,4% und 0,5% im 4. Quartal 2016 die Erwartungen übertraf.

USD:

Während Donald Trump am Samstag seine ersten 100 Tage im Weiße Haus feiern kann, scheint die erste Bilanz nicht den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht zu werden: Scheitern der Reform der Obamacare, die langsame Umsetzung der zentralen Reformvorhaben und der Anstieg der protektionistischen Äußerungen seitens der US-Regierung. Kombiniert man dies mit den jüngsten Zeichen der Schwäche der US-Wirtschaft, kann man besser verstehen, warum es dem US-Dollar derzeit an Rückenwind mangelt. Die moderate Volatilität ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass die Aufmerksamkeit der Börsianer derzeit stark auf Europa – Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich am 7. Mai und die britischen Wahlen im Juni – gerichtet ist.

Die Marktteilnehmer werden aufmerksam die 1. Schätzung des BIP und seiner Komponenten für das 1. Quartal 2017 verfolgen. Fällt das Wachstum tatsächlich so moderat aus, wie derzeit erwartet, könnte das erneut die Möglichkeit einer weiteren US-Leitzinserhöhung in der nahen Zukunft infrage stellen. Dieser Indikator ist umso wichtiger, als er vor der nächstwöchigen Fed-Sitzung (2./3. Mai) ansteht.

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