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Deflations-Exorzismus zeigt Wirkung

EUR USD (1,1345) 

Der Euro sorgte gestern gleich mehrfach für Aufruhr. Zunächst löste er Bewegung unter Derivatehändlern aus, weil er seiner üblichen Rolle gegen¬über dem US-Dollar nicht gerecht wurde. Für viele Akteure verkörperte EUR/USD in diesem Jahr bislang nämlich eher ein träges, wenig schwankungsfreudiges Währungspaar. Zum allgemeinen Erstaunen markierte es gestern aber die größte Tageshandelsspanne seit Mitte Januar. Dann rieb sich noch eine andere Gruppe von Marktteilnehmern verwundert die Augen: die Euro-Skeptiker. Bis vor kurzem hatte es derer noch viele gegeben. Die Rufe nach einem Kursverfall zur oder gar unter die Parität, die im Frühjahr oft zu hören waren, dürften vielen Inves¬toren sicher noch gut in Erinnerung sein. Nun hat der Euro all diese Händler mit einem satten Kursanstieg überrascht und eines Besseren belehrt.
Aber wer hat den Markt eigentlich so derart durchgerüttelt? EZB-Chef Mario Draghi ist die naheliegende Antwort. Denn er hat gestern bei der Notenbankkonferenz in Portugal überraschenderweise erklärt, dass die deflationären Kräfte, die die Teuerung belasteten, durch reflationäre (preissteigernde) Faktoren ersetzt worden seien. Teuerungsdämpfende Einflüsse wie etwa die Rohölpreise seien dagegen nur temporärer Natur. Auch mit der Konjunkturentwicklung der Eurozone scheint Draghi zufrieden zu sein. Seinen Optimismus werten Akteure als Zeichen für ein baldiges Ende der lockeren Geldpolitik. Eine Einschätzung, die übrigens nicht nur Devisen-, sondern auch Bond-Händler teilen – europäische Anleiherenditen schnellten ebenfalls markant in die Höhe. 
Der Euro sprang gestern auf das höchste Niveau seit August 2016 und befindet sich nun auf bestem Wege, unsere 1,1410er Marke, darüber sogar 1,1510, anzugreifen. Ein Rücklauf auf unseren Auslösepunkt bei 1,1240 dürfte reichlich Nachfrage generieren. Die Schlüsselunterstützung liegt nun höher, aber weit entfernt, bei 1,1130.


EUR GBP (0,8850) 

Gestern baute der Euro Sichtkontakt zur ersten unserer beiden Zielmarken (0,8870 und 0,8970) auf. Der Aufschwung kam aber kurz davor zum Stillstand. Nachrichtentechnisch wurde den Akteuren einiges geboten: Zum einen warb der britische Finanzminister Philip Hammond bei den Brexit-Verhandlungen für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen EU und Großbritannien, da der Brexit-Deal beiden Seiten zu Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätzen verhelfen soll. Wie genau er dieses Kunststück fertigbringen will, verschwieg er jedoch. Zum anderen überraschte die Bank von England den Markt. Sie verschärfte die Bedingungen für die Kreditvergabe und hob den Satz für den Kapitalpuffer der Geschäftsbanken von null auf ein halbes Prozent an. Eine weitere Anhebung auf ein Prozent wurde für November dieses Jahres in Aussicht gestellt. Faktisch kommt dies einer Zinserhöhung gleich. 
Das Pfund bleibt unter Druck, und wir favorisieren einen Anstieg auf die zuvor genannten Marken. In diesem Zusammenhang darf jedoch unsere Unterstützung bei 0,8730 (höher) nicht mehr unterschritten werden.

EUR CHF (1,0895) 

Wie erwartet ist es an der Unterseite der jüngsten Konsolidierungszone nicht zu einem Ausbruch des Euro gekommen. Stattdessen ist er derzeit wieder in Richtung der oberen Begrenzung dieses Bandes, das zwischen 1,0810 und 1,0910 verläuft, unterwegs.

EUR PLN (4,2400) 

Gerade als der Euro besonders fragil und anfällig für weitere Verluste zu sein schien, vollzog er gestern eine heftige, unerwartete Gegenbewegung. Knapp unter der 4,20er Marke verhalf ihm einsetzende Nachfrage dazu, sich bis auf 4,24 gegen den Zloty vorzuarbeiten. Kurzfristig ist nur wenig Angebot zu sehen, das ihn belasten könnte. Widerstand ist bestenfalls bei 4,2540 und 4,2670 zu erwarten. Gute Nachfrage wartet unterdessen bei 4,2200 sowie bei 4,1890.

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